Der Anfang

Auch wenn ich meine Gedanken ein wenig entstauben muss, so wirken einige Erinnerungen doch unglaublich lebendig und frisch. Ich weiß noch ziemlich gut, dass ich an einem eher einsamen Sommerabend in meinem Zimmer nicht mit Fernsehen oder Internet zugebracht habe. Stattdessen habe ich einfach aus dem Fenster gestarrt und in meiner Fantasie die Bäume zu einem tropischen Regenwald werden lassen. Das Wetter war erdrückend schwül und es wirkte so, als wenn sich die Feuchtigkeit wie ein schimmernder Film über das dichte Grün der Bäume gelegt hat. Ein gedämpftes Licht benebelte die Sinne und ich tauchte so tief in diese Welt mit ab, sodass ich alles andere neben mir und das laufende Radio verdrängt habe. Der Grund, warum ich auf einmal so gebannt war, war eine eindringliche Sonderberichterstattung. Es wurde mit Betonung darauf hingewiesen, dass vom Harz her kommend eine besonders schwere Gewitterfront über meinen Wohnort herziehen sollte! Eigentlich hatte ich bisher immer große Angst davor, aber aus irgendeinem Grund verdichteten sich die Bilder vor meinen Augen und ich stellte mir ganz aufmerksam vor, welchen Anblick mir die Natur gleich bieten würde.

Hilfe, mein Lieblingsbaum!

Die Zeit. Die Luft. Sie schienen sichtbar still zu stehen. Ich konnte mir lediglich vorstellen, wie diese Ruhe nur durch einen tropischen Regenguss gestört werden konnte und harrte der Dinge, die da drohten. Wenn ich jedoch an die Birke vor meinem Fenster dachte, dann verstärkte sich eine gewisse Furcht. Was wäre wenn das Gewitter so stark wird, dass der Baum beschädigt wird? Man muss dazu sagen, dass die Birke von meinem Onkel extra für mich gepflanzt wurde und sie mir deshalb ans Herz gewachsen ist. Außerdem habe ich mit meinen besten Freunden viel Zeit auf der Wiese davor verbracht. Ich hing wirklich so sehr an dem Baum, dass ich mir ganz fest gewünscht habe, dass das angekündigte Unwetter meinen Lieblingsbaum verschonen würde!

Das Unwetter kommt!

Einige Zeit passierte nichts und ich hatte mittlerweile etwas Hoffnung, dass es kein Unwetter geben würde. Eigentlich hätte es doch schon längst losgehen sollen? Ich überlegte, ob ich nun zu Bett gehe, doch meine Aufregung und der lange Juniabend verhinderten das. Vorsichtig näherte ich mich wieder dem Fenster und wollte noch ein wenig genauer hinaussehen. Der Ausblick über die benachbarten Dächer hinweg war sehr praktisch, um in der Ferne die Wolken zu erahnen. Doch nichts. Oder doch? Am weit entfernten Horizont verdunkelte es sich bleifarbig, wo es doch dort wegen der untergehenden Sonne eigentlich am heller sein müsste? Gänsehaut! Der Wetterdienst im Radio hatte offenbar recht, die Unwetterfront kommt!

Nun ging es ziemlich schnell. Das Dunkelgrau am Himmel verschluckte immer mehr Umgebungslicht und verfärbte sich mehr und mehr in beklemmendes Schwarzbraun. Erste Wolkenkonturen erhoben sich am Rande der Stadt. Ich bemerkte ein diffuses, permanentes Flackern, doch bisher waren noch keine Donnergeräusche zu hören. Soll ich weiter am Fenster gucken? Ich guckte weiter und nun zeigten sich die ersten richtigen Blitze in allen erdenklichen Farben zwischen lila und rot. Das Abendlicht veränderten den Himmel weiter und es entwickelte sich eine mächtige, unfassbar dramatische Wolkenfront über den Dächern. Unter ihr  zog ein äußerst dichter tiefdunkel-blutroter Vorhang über die Landschaft und ließ alles in seinem Pfad komplett verschwinden. Ich fühlte mich, als wenn ich dem Weltuntergang zuschauen würde. Ich habe mir das vorher gar nicht so vorgestellt und war trotz meiner großen Angst von diesem Anblick wie gefesselt!

Eine unfassbare Kraft ging nun von diesem Unwetter aus. Extremer Wind heulte noch los bevor der erste Niederschlag begann. Meine Fenster knallten auf und die Bäume vor meinen Augen bogen sich bedrohlich. Auch mein Lieblingsbaum kämpfte jetzt gegen die Naturgewalten. Es blitzte und krachte im Sekundentakt. Ein betörender Lärm und als dann ein unglaublicher Wolkenbruch losging, verkroch ich mich unter meiner Bettdecke und hoffte nur noch.

(M)eine Leidenschaft beginnt!

Ab da reißen meine Erinnerungen ab. Ich weiß allerdings noch, dass dieses Unwetter tatsächlich so schlimm war wie angekündigt und einige Stunden anhielt. Trotzdem hat mein Lieblingsbaum, als einer der wenigen vor unserem Haus, der Naturgewalt ohne Schaden standgehalten! Es ist verrückt, denn erst durch diese intensiven Momente habe ich Mut gefasst und sie prägen meine Ehrfurcht vor dem Wetter bis heute! Die Augenblicke begleiten mich und es sind genau diese Bilder, die mich auf meiner Suche antreiben. Das einprägsame Unwetter ist zu meiner ganz persönliche Vorlage geworden, wenn ich der seltsamen Schönheit ungeheurer Bedrohlichkeit ins Auge blicke möchte. Bis heute behaupte ich, dass ich kein ähnlich dramatisches und ansehnliches Gewitter wieder erlebt habe! Ich habe mich genau deswegen seit über 10 Jahren mit dem Wetter und seinen Naturgewalten beschäftigt. Sie zeigen für mich die Grenzen unseres menschlichen Daseins auf. Warum sind wir hier? Warum macht die Natur das mit uns? Jedes Mal wenn ich bei meiner Reise durch die Welt die Zeit vergesse und ich mich nur noch auf das Unmittelbare vor mir mit allen Sinne einlasse, fühle ich genau das gleiche aus meiner Jugend. Es ist eine Mischung aus Ehrfurcht und Bewunderung. Es überwältigt mich und stachelt mich immer wieder neu an.

Nun möchte ich einen Schritt weitergehen und diese Faszination teilen. Im Laufe der Jahre haben sich einige neue spannende Abenteuer zugetragen. Es entstanden absolut kitschige oder dramatische Fotografien dazu. Ich möchte in diesem Blog  über das eine oder andere wunderbare Ereignis berichten, welches ich erleben durfte. Ich möchte aber auch meine aktuellen Gedanken mit Euch teilen und oder andere Gleichgesinnte mit neuen Erkenntnissen über das Fotografieren unserer Natur überraschen. Falls euch mein Beitrag und meine Seite gefallen, würde es mich sehr motivieren, wenn Ihr mich tatkräftig in den sozialen Medien unterstützt und wieder zu Gast auf meiner Webseite seid! Als Dankeschön folgen weitere spannende Geschichten, Überraschungen, Bilder und Projekte mit vielen neuen Ideen! Euer Christian